Tschechien

Tschechien, Tschechoslowakei, Pro-Atom, Atom-Ausbau, Temelin, Dukovany, Laufzeitverlängerung, Hochrisikoreaktor

6 aktive Reaktoren an zwei Standorten (Temelin, Dukovany)
Kein Atomausstieg, neue Reaktoren sind geplant
Stromerzeugung 2016 aus
   » 59% Fossile Brennstoffe (55% Kohle, 4% Gas)
   » 29% Atomenergie
   » 12% Erneuerbare Energie (6% Biomasse, 3% Solar, 2% Wasser, 1% Wind)
82,1 TWh Eigenproduktion, 16,1 TWh Importe (60% aus Polen), 28,7 TWh Exporte (> 40% nach Österreich)

Geschichte

In der ehemaligen Tschechoslowakei (heute Slowakei) geht 1972 das erste AKW in Betrieb. Nach zwei schweren Zwischenfällen wird das AKW jedoch 1977 schon wieder geschlossen. Zwischen 1985-1987 gehen vier Reaktoren in Dukovany ans Netz, 2000/2002 zwei Reaktoren in Temelín. Beide AKW sind nicht weit von der österreichischen Grenze entfernt.

Proteste

Seit Baubeginn von Temelín gibt es lokale Proteste, ganze Orte werden für den Bau des AKWs umgesiedelt. Proteste werden vom kommunistischen Regime unterdrückt.
Erst mit der Grenzöffnung 1989, als der Bau von Temelín auch in den Nachbarländern bekannt wird, gibt es wieder vermehrt Proteste gemeinsam mit Österreich und Deutschland - viele Protestaktionen, Demonstrationen, Blockaden am AKW-Gelände und an den Grenzen.
Eine der größten Protestaktionen findet 1991 in Temelín statt, bei der fast 10.000 Menschen demonstrieren. So kann der Bau des 3. und 4. Reaktors in Temelín vorerst verhindert und die Inbetriebnahme des 1. und 2. Reaktors stark verzögert werden.
Auch die österreichische Politik ist sehr aktiv (Veto-Drohung gegen den EU-Betritt Tschechiens, 2000 „Melker Prozess“, 2002 Volksbegehren der FPÖ mit >900.000 Unterschriften).
Trotzdem geht Temelín letztendlich - auch wenn mit einiger Verzögerung - 2000 bzw. 2002 in Betrieb.

Ausstieg vs. Ausbau

Für Tschechien ist ein Atomausstieg kein Thema. Stattdessen wird am Bau neuer Reaktoren an beiden Standorten (Temelín und Dukovany) geplant, für Dukovany wurden Laufzeitverlängerungen auf unbestimmte Zeit beschlossen. In Zukunft will Tschechien den Atomstromanteil auf 50 % ausbauen und die Abwärme-Nutzung verbessern.

Störfälle und Katastrophen

Laufend kleine und größere Störfälle, Dukovany gilt allgemein als Hochrisikoreaktor.
Zuletzt gab es in Dukovany im November 2017 eine Notabschaltung - kurz nach einer mehrmonatigen Betriebs- und Kontrollpause im Sommer und im Jänner 2018 eine Abschaltung für Reparaturen an einem Notstrom-Dieselgenerator.

Probleme

Sehr wenig erneuerbare Energien, größter Energieträger ist Braunkohle
Tschechien plant die Atomenergie weiter auszubauen
Alle Reaktoren in Dukovany sind Hochrisikoreaktoren
In der tschechischen Bevölkerung gibt es großen Widerstand gegen die Endlagersuche, jedoch nicht gegen Atomkraft.

Mehr Infos und Quellenangaben:
Allg. Infos - Atomindustrie, Englisch (IAEA)
Allg. Infos - kritisch, Deutsch (Global2000)
Geschichte Temelín, Deutsch (Radio Praha)
Geschichte des tschechischen Widerstands, Englisch
Energiestatistik, Englisch (IEA)
Foto: AKW Temelin, © Vadim Mouchkin / IAEA

Informationsstand 12/2017

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