Russland

Russland, Sowjetunion, AKW, Tschernobyl, Atom-Ausbau, Fossile, Gas, Super-Gau, Kernschmelze, Uranabbau

35 aktive Reaktoren, fast alle AKW befinden sich im Westen Russlands (europ. Kontinent)
6 Reaktoren in Bau, 26 weitere geplant
Stromerzeugung 2015 aus
   » 66% Fossile Brennstoffe (50% Gas, 15% Kohle, 1%Öl)
   » 18% Atomstrom
   » 16% Erneuerbare Energien (Wasserkraft)
1.067,5 TWh Eigenproduktion, 6,6 TWh Importe, 18,2 TWh Exporte
Russland war neben der USA die erste Atomgroßmacht (auch Atomwaffen)

Geschichte

1954 geht das erste russische AKW - und weltweit das erste AKW, das Strom produziert - in Betrieb.
Es gibt jedoch laufend Probleme mit den AKW sowjetischer Bauweise, der schlimmste Vorfall war der Super-GAU im AKW Tschernobyl 1986 (=> siehe auch Länderinformation Ukraine).
Nach dem Super-GAU in Tschernobyl werden bis Ende der 1990er-Jahre nur zwei neue Reaktoren in Betrieb genommen, allerdings auch wegen Finanzierungsschwierigkeiten durch den Zerfall der Sowjetunion.
Seit 2000 gewinnt die russische Atomindustrie wieder Aufwind. Seitdem wurden mehrere neue Reaktoren in Betrieb genommen. Seit 2010 werden in Russland auch neue Reaktortypen (Schnelle Neutronenreaktoren, Schwimmende AKW) gebaut.

Proteste

Auch in Russland entsteht nach der Tschernobyl-Katastrophe eine Anti-Atom-Bewegung. Zwischen 1988-1992 kann sie mehr als 100 Atomprojekte verhindern.
In den letzten Jahren jedoch übt die Regierung - wie auch in vielen anderen Bereichen - starken Druck auf die Anti-Atom-Bewegung aus. Gesetze, die es ermöglichen härter gegen NGOs vorzugehen, wurden verschärft und die staatliche Kontrolle ausgebaut, unabhängige Medien gibt es kaum noch. Aktivist_innen und Organisationen werden vor Gericht gestellt, inhaftiert oder zu hohen Geldstrafen verurteilt. Trotz des großen Drucks von Seiten der Regierung ist die Anti-Atom-Bewegung in Russland aber weiterhin aktiv.

Ausstieg vs. Ausbau

Russland will den Atomstromanteil weiter ausbauen, bis 2020 auf 45-50%, bis 2100 auf 70-80%. Erreicht werden soll das durch Leistungsverbesserungen und Umrüstungen bei bestehenden Reaktoren, sowie Neubauten.
Russland hat große Uranvorkommen, auch der Uranabbau im Land soll ausgebaut werden.

Störfälle

1957, Mayak: Der Unfall in Majak (damals wurde dort kernwaffenfähiges Material hergestellt) gilt nach Tschernobyl und Fukushima als drittschwerster Atomunfall der Geschichte.
Wegen defekter Kühlung in einem Kühltank mit abgebrannten Brennstäben gibt es eine Explosion, große Mengen radioaktiver Stoffe werden freigesetzt. Der Unfall ist hinsichtlich der Radioaktivität des freigesetzten Materials vergleichbar mit der Tschernobyl-Katastrophe. Nach Angaben des Betreibers werden 20.000 Quadratkilometer radioaktiv verseucht, wahrscheinlich waren es weit mehr. Der Unfall wird bis in die 1970er-Jahre vertuscht.

Herbst 2017: In Europa, auch Österreich, werden erhöhte - jedoch gesundheitlich unbedenkliche - Werte des radioaktiven Rutheniums gemessen. Aufgrund der Ausbreitung der radioaktiven Wolke kann die Quelle nach Russland in den Südural, evtl. aus der Wiederaufbereitungsanlage Mayak, zurückverfolgt werden. Russland dementiert den Vorfall zuerst, nennt ihn dann harmlos. Die genaue Ursache ist nach wie vor nicht offiziell bekannt.

Probleme

In Russland sind noch viele alte AKW in Betrieb. Die meisten davon wurden in den 1970er-Jahren, viele noch in der alten Tschernobyl-Bauweise, davon einige ohne Containment (Schutzhülle, die bei einem Unfall die Radioaktivität zurückhält) gebaut.
Die Regierung übt starken Druck auf die Anti-Atom-Bewegung und Protestbewegungen im Allgemeinen aus.
Informationen über Zwischenfälle werden von der russischen Regierung oft geheim gehalten, vertuscht oder erst viel später an die Öffentlichkeit gegeben.

Mehr Infos und Quellenangabe:
Kritische Infos, Deutsch (Ausgestrahlt)
Allg. Infos - Atomindustrie, Englisch (World Nuclear Association)
Protestbewegung, Deutsch (Böll Stiftung)
Atomunfall Mayjak, Deutsch
Ruthenium in Europa, Deutsch (FAZ)
Energiestatistik, Englisch (IEA)
Foto: AKW Leningrad in St. Petersburg, © Ler

Informationsstand 12/2017

Andere Länder

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