Armenien

Armenien, Mezamor, Pro-Atom, AKW, Atom-Ausbau, Erdbeben, Hochrisikoreaktor

  • 1 aktives AKW (1 Reaktor)
  • das gefährlichste AKW in der Nähe von Europa (starkes Erdbebengebiet)
  • 1 weiterer Reaktor in Planung
  • Stromerzeugung 2023 aus
    • 31% Atomenergie
    • 42% Fossile Brennstoffe (Gas)
    • 27% Erneuerbare Energie (19% Wasserkraft, 8% PV)
  • 8,8 TWh Eigenproduktion, 1,2 TWh Exporte 1

Armenien liegt zwar nicht in Europa, wird aber aufgrund der geografischen Nähe und Relevanz in dieser Liste trotzdem angeführt.
Das AKW Mezamor (Inbetriebnahme der beiden Reaktoren 1976 bzw. 1980) in Armenien ist das einzige Kernkraftwerk in der gesamten Kaukasus-Region und gilt als eine tickende Zeitbombe. In der Region um das AKW Mezamor gibt es immer wieder Erdbeben, nur wenige Kilometer vom AKW treffen die eurasische und arabische Erdplatte aufeinander.
In den 1980ern waren zwei weitere Reaktoren am Standort geplant, nach dem Super-GAU in Tschernobyl jedoch abgesagt.
1988 sterben bei einem schweren Erdbeben 25.000 Menschen, bis zu einer Million werden obdachlos. Das AKW nimmt angeblich keinen Schaden, trotzdem werden die Reaktoren des Kernkraftwerks abgeschaltet.
Mit dem Zerfall der Sowjetunion wird die Energie in Armenien knapp. Wegen akuten Strommangels nimmt die Regierung 1995 den Reaktor 2 nach 6,5 Jahren Abschaltung wieder in Betrieb, der Reaktor 1 bleibt stillgelegt.
Armenien bezieht seinen gesamten Kernbrennstoff aus Russland. 2

Enerneuerbare Energien, vor allem Solarenergie, gewinnen in den letzten Jahren an Bedeutung. Seit 2020 hat sich die Solarstromerzeugung versechsfacht. 3

Ausstieg vs. Ausbau


Armenien hält trotz aller Sicherheitsbedenken - vor allem aus der EU, aber auch der angrenzenden Türkei - an der Atomkraft fest.
Bereits 2012 wird die Laufzeit von Mezamor bis 2026 verlängert. 2018 sucht Armenien erneut um eine Laufzeitverlängerung an, die die IAEA im Oktober 2025 genehmigt. Alle Modernisierungsarbeiten wurden und werden von Russland durchgeführt. Der Reaktor soll danach bis 2036 weiterlaufen bzw. bis ein neuer Reaktor in Betrieb geht.
Seit 2007 wird an einem neuen Reaktor geplant, Hersteller aus Russland, USA, Frankreich, China und Südkorea kommen dafür in Frage. Eine Entscheidung soll bis 2026/27 fallen. Angesichts aktueller Bauzeiten und -kosten ist die Inbetriebnahme eines neuen Reaktors bis 2036 mehr als unrealistisch. 4

Atommüll


Atommüll wird derzeit am AKW-Standort zwischengelagert. Für die Endlagerung wird eine Lösung gesucht, stellt allerdings eine große Herausforderung dar. 5

Probleme


  • Das AKW Mezamor ist das gefährlichste AKW in und um Europa. Es ist technisch veraltet und liegt in einem sehr aktiven Erdbebengebiet. Armenien ist nicht auf einen Atomunfall vorbereitet.
  • Es gibt keine sichere Lagerung des Atommülls.
  • Die Laufzeit von AKW Mezamor wurde bis 2036 verlängert, es ist seit 1980 in Betrieb.
  • Armenien ist für den Betrieb seines AKWs (Kernbrennstoff) komplett von Russland abhängig. Auch das Gas bezieht Armenien großteils aus Russland.

Mehr Infos und Quellenangabe:
» World Nuclear Industry Status Report 2025, S 555-559 | worldnuclearreport.org, aufger. 07/26
1 Stromproduktion | IEA.org, aufger. 07/26
2 Anhaltende Kritik AKW Mezamor | ORF.at 01/18, Länderinfos Atomindustrie | WorldNuclearAssociation.org
3World Nuclear Industry Status Report 2025, S 555-559 | worldnuclearreport.org, aufger. 07/26
4 Länderinfos Atomindustrie | WorldNuclearAssociation.org
5 Atommüll Armenien, Video | Nuclear and Radioation Safety Center, 04/26

Foto: AKW Mezamor, © Bouarf

Informationsstand 07/2026

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