Schweden

Schweden, Pro-Atom, AKW, Oskarshamn, Ringhals, Forsmark, Volksabstimmung, Hochrisikoreaktor

  • 6 aktive Reaktoren an 3 AKW-Standorten
  • Atomausstieg wurde 1980 beschlossen, 2010 rückgängig gemacht, neue Reaktoren geplant
  • Stromerzeugung 2024 aus
    • 70,5% Erneuerbare Energie (38% Wasser, 23,5% Wind, 6,5% Biomasse/Abfall, 2,5% Solar)
    • 29% Atomenergie
    • < 0,5% Fossile Brennstoffe (Kohle, Öl)
  • 172 TWh Eigenproduktion, 33,4 TWh Exporte, 5,7 TWh Import 1

Geschichte


Das erste schwedische AKW geht 1972 in Betrieb, elf weitere Reaktoren folgen zwischen 1975 und 1985.
Bereits 1977 wird in Schweden als eines der ersten Länder ein Gesetz für ein Atommüll-Management verabschiedet. 2

Nach dem Three Mile Unfall 1980 kommen in der Bevölkerung erste Proteste gegen Atomkraft auf, es kommt zu einer Volksabstimmung. Eine knappe Mehrheit stimmt für die zeitlich begrenzte (bis sie durch andere Energiequellen ersetzt werden kann) Nutzung der Atomenergie und möglichst baldigen Atomausstieg. Daraufhin wird der Atomausstieg für 2010 festgelegt. Nach dem Tschernobyl-Unfall gibt es 1987 erneut eine Volksabstimmung, der Neubau von Atomkraftwerken wird verboten. 3

Um die Schließung von zwei Reaktoren 1999 bzw. 2005 zu kompensieren, werden jedoch 2005 Laufzeitverlängerungen über 2010 hinaus beschlossen. 2010 wird dann auch der Beschluss gegen AKW-Neubauten aufgehoben, damit die alten AKWs durch Neubauten ersetzt werden können.

Seit 1974 gingen in Schweden 8 Reaktoren vom Netz, zuletzt in den Jahren 2017, 2019 und 2020.

Die schwedischen AKWs werden von dem 100% staatlichen Unternehmen Vattenfall betrieben.

In Schweden wird kein Uran abgebaut, allerdings in einer Niederlassung der US-Firma Westinghouse Kernbrennstoff hergestellt. Für ihre AKWs bezieht Schweden Brennstoff von Westinghouse (USA/Schweden), Framatome (Frankreich) und TVEL (Russland). 4
2024 beantragt der AKW-Betreiber Vattenfall eine Laufzeitverlängerung aller Reaktoren auf 80 Jahre, also bis in die 2060er-Jahre, das wird derzeit geprüft. 5

Ausstieg vs. Ausbau


2023 ändert Schweden zuerst sein bisheriges Energieziel von 100 % erneuerbarer Energie auf 100 % fossilfreier Energie. Das ermöglicht die Planung neuer Atomkraftwerke, bis 2045 sollen zwei neue Großreaktoren und insgesamt zehn weitere Reaktoren (SMRs) gebaut werden. Finanziert werden sollen sie mit staatlichen Darlehen. 6

Endlager


Bereits 1977 wird beschlossen ein Konzept für die Lagerung von radioaktiven Abfällen zu entwickeln. Im aktiven Betrieb müssen die AKW-Betreiber eine Abgabe für Abfallmanagement und Rückbau einzahlen.
Schwach radioaktive Abfälle werden hauptsächlich an den Reaktorstandorten gelagert, es gibt aber auch an anderen Standorten Endlager für Abfälle bis zu mittlerer Radioaktivität.
In Forsmark - die Lagerstätte dort liegt etwa 50 Meter unter der Ostsee - soll auch das schwedische Endlager für hochradioaktive Abfälle entstehen. Geplant ist der Baubeginn ursprünglich mit 2013, die Baugenehmigung wird jedoch erst 2022 erteilt und 2025 beginnen die Vorbereitungsarbeiten. 7
Hochradioaktive Abfälle werden seit 1985 in Oskarsham zwischengelagert. Ursprünglich war dieses Zwischenlager für 5.000 Tonnen hochradioaktiven Müll gedacht, die Kapazität wird laufend erweitert, Stand 2025 werden dort über 8.000 Tonnen hochradioaktiver Müll zwischengelagert.8

Störfälle und Katastrophen


2011, Oskarshamn: Ölleck und Brand in einem Turbinenlager, Notabschaltung 9
2012, Ringhals: Meerwasser dringt in den Reaktor ein, Notabschaltung 10
2013, Oskarshamn: Quallen legen Kühlung lahm, Notabschaltung 11
2024, Forsmark 3: Wiederinbetriebnahme nach Instandhaltungsmaßnahmen verzögert sich wegen entdeckter Risse an zwei Turbinen enorm. Wenige Tage nach Wiederinbetriebnahme muss das AKW wieder abgeschaltet werden, ein Ventil ist defekt.
2025: Auch in Oskarshamn 3 verzögert sich die Wiederinbetriebnahme nach Brennstoffwechsel und Instandhaltungsmaßnahmen wegen Rissen an kritischen Stellen um mehrere Monate. 12
» Zwischenfälle in schwedischen AKWs: www.laka.org

Probleme


  • Der Atomausstieg wurde bereit 1980 beschlossen, 2010 rückgängig gemacht.
  • Ein Ausbau ist geplant, Schweden setzt zur Erreichung der CO2-Ziele auf einen Mix aus Erneuerbaren Energien und Atomenergie.
  • Alle aktiven Reaktoren sind älter als 30 Jahre (Inbetriebnahme zw. 1980-1985) und damit Hochrisikoreaktoren.

Mehr Infos und Quellenangabe:
» » World Nuclear Industry Status Report 2025, S 510-516 | worldnuclearreport.org, aufgerufen 07/26
1 Stromproduktion | IEA.org, aufgerufen 07/26
2, 4, 6, 8 Atomindustrie Schweden | WorldNuclearAssociation.org, aufgerufen 07/26
3 Widerstand und Referendum | Folkkampanjen.se, aufgerufen 07/26
5 World Nuclear Industry Status Report 2025, S 510-516 | worldnuclearreport.org, aufgerufen 07/26
7 Atomindustrie Schweden | WorldNuclearAssociation.org, aufgerufen 07/26, Baubeginn Endlager | Polarkreisportal.de 01/25
9 Brand Oskarsham 2011 | Süddeutsche Zeitung, 11/11
10 Notabschaltung Ringhals 2012 | ORF.at, 12/12
11 Notabschaltung Oskarsham 2013, Spiegel.de, 10/13
12 World Nuclear Industry Status Report 2025, S 510-516 | worldnuclearreport.org, aufgerufen 07/26

Foto: AKW Oskarshamn, © Anchor2009

Informationsstand 07/2026

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