Haftplicht für AKW fehlt

Atomkraftwerke in der EU sind nicht ausreichend versichert. Derzeit sind es zwischen 50 Millionen und 2,5 Milliarden Euro, ein Bruchteil des Schadens, der – wie Tschernobyl und Fukushima gezeigt haben – bei einem Super-GAU tatsächlich verursacht wird. Die französische Regierung errechnete 2013 für einen Super-GAU in Frankreich eine Schadenssumme von 430 Milliarden Euro – zu heutigen Preisen (2026) gerechnet wären das 530 Milliarden. Im Schadensfall müssten also überall in Europa die Steuerzahler_innen für den Großteil, nämlich für 99,5 Prozent der Kosten aufkommen.

Eine einheitliche, angemessene und verpflichtende Haftpflichtversicherung würde Atomkraftwerke sofort unrentabel machen und wäre ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum europaweiten Atomausstieg.

23.500 Unterschriften bei Haftpflicht-Petition

2013 bzw. 2016 startet atomstopp_atomkraftfrei leben! eine Petition an das Europäische Parlament mit der Forderung nach einer einheitlichen, angemessenen und verpflichtenden Haftpflicht für AKW-Betreiber. atomstopp fordert eine Mindest-Versicherungssumme von 400 Milliarden Euro – für jeden einzelnen Atomreaktor. Insgesamt unterstützten 23.500 Personen die Forderung von atomstopp.

Im Dezember 2017 bekam atomstopp endlich eine Nachricht aus Brüssel – zwar zur Petition von 2013, aber immerhin – und wurde erneut in den Petitionsausschuss geladen. Auf Nachfrage wurde die Petition von 2017 als „Follow-up“ in die Petition von 2013 mitaufgenommen.

Am 23. Jänner 2018 konnte atomstopp in Brüssel erreichen, dass die Petitionen weiterverfolgt werden. Petitionsausschuss und EU-Kommission kündigten Studien an.

Im Februar 2019 wurde die Studie des Petitionsausschusses präsentiert und veröffentlicht. Die Autoren geben der Forderung von atomstopp vollinhaltlich Recht und empfehlen eine dringende Umsetzung.

Im Jänner 2020 erschien die angekündigte Studie der EU-Kommission. Auch diese Studie sagte ganz deutlich, dass AKW-Schäden viel zu gering versichert sind (erwähnt werden für Fukushima Kosten von 325 Milliarden Euro, die bis 2019 bereits aufgelaufen sind). Es wurde empfohlen, dass weitere Maßnahmen den Versicherungsmarkt stärken sollen. Aber letztlich ging die Studie davon aus, dass die Kosten die Allgemeinheit tragen muss.
atomstopp wurde über die Studie – trotz Nachfrage im März 2020 – erst im Juni 2021 benachrichtigt. In dieser Mitteilung wurde eine weitere Prüfung durch die Kommission zugesagt.

Im April 2023 erhielt atomstopp erneut eine Kopie der Mitteilung von 2021 mit der Zusatzinformation, dass die Petition nun geschlossen würde.

Da die EU in den zwei Studien zwar die krasse Unterversicherung (letztlich ist bei einem Super-GAU wie in Fukushima weniger als 1 Prozent des Schadens haftpflichtversichert) zugegeben, aber nichts Wirksames dagegen unternommen hat, erhob atomstopp sofort Einspruch gegen das Schließen der Petition. Dem wurde nicht stattgegeben, die Petition wurde geschlossen.

Nach den EU-Wahlen und Ernennung der neuen Kommission Ende 2024 fordert atomstopp gemeinsam mit europäischen Anti-Atom-Aktivist_innen im Jänner 2025 in einem Appell gleiche Wettbewerbsbedingungen auf den europäischen Energiemärkten und eine neue europaweite Bewertung der nuklearen Risiken. Der Appell richtet sich an Teresa Ribera – Exekutivvizepräsidentin für einen sauberen, gerechten und wettbewerbsfähigen Übergang und Dan Jørgensen – Kommissar für Energie und Wohnungsbau.
» Zum Appell (Englisch)     » Zur Presseaussendung

Dem Appell folgt zum Tschernobyl-Gedenktag im April 2025 eine Mailing-Aktion von Privatpersonen an die jeweiligen Landesvertreter_innen im EU-Parlament.

atomstopp und die Mitinitiator_innen werden im November 2025 zu einem Gespräch im Jänner 2026 nach Luxemburg geladen, bei dem das Thema Haftpflicht behandelt werden soll.


» Haftpflicht-Petition von 2016

Wir fordern eine einheitliche, verpflichtende und angemessene Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke!

Was bisher geschah:

  • 01/2013: atomstopp startet Unterschriftensammlung für die erste Petition
  • 10/2013: Übergabe der ersten Petition (ca. 15.000 Unterschriften) an den Obmann des Industrieausschusses, Dr. Paul Rübig, i.V. für Parlamentspräsident Martin Schulz
  • 03/2014: Einladung in den Petitionsausschuss in Brüssel
  • 04/2014: EU-Kommission bestätigt den Eingang der Petition und kündigt eine Mitteilung dazu an
  • 05/2014: Wahlen zum EU-Parlament, d.h. Neuzuordnung der kommissionellen Kompetenzen
  • 06/2014: Kontaktaufnahme mit dem neugewählten Präsidenten Jean Claude Juncker
  • 09/2014: Antwort vom stv. Generaldirektor der Kommission Gerassimos Thomas – es bestehe großes Interesse an der nuklearen Haftung und Versicherung auf europäischer Ebene
  • 10/2014: atomstopp schreibt der neuen Vorsitzenden des EU-Petitionsausschusses Cecilia Wikström mit Hinweis auf die offene Petition – keine Antwort
  • 04/2016: Die Kommission veröffentlicht wieder den Bericht zur Atomkraft in der EU (PINC) - zur Haftpflicht bzw. Versicherung von Atomkraftwerken kein Wort
  • 2016 startet atomstopp eine zweite Petition mit der gleichen Forderung
  • 10/2017: rund 8.500 Unterschriften werden an den Petitionsausschuss übermittelt
  • 12/2017: Endlich Nachricht zur Petition von 2013 bzw. Oktober 2014 und eine erneute Einladung in den Petitionsausschuss in Brüssel
  • 01/2018: atomstopp kann in Brüssel erreichen, dass die Petitionen weiter verfolgt werden. Petitionsausschuss und EU-Kommission kündigen Machbarkeitsstudien an
  • 02/2019: Die Studie des Petitionsausschuss wird ebendort präsentiert – die Autoren geben der Forderung von atomstopp vollinhaltlich Recht und empfehlen eine dringende Umsetzung.
  • 01/2020: Die angekündigte Studie der EU-Kommission erscheint, atomstopp wird darüber jedoch auch auf Nachfrage nicht informiert.
  • 06/2021: atomstopp erhält eine Mitteilung über die bereits im Jänner 2020 erschienene Studie der EU-Kommission.
  • 04/2023: atomstopp erhält eine Kopie der Mitteilung von 2021, die Petition wird geschlossen.
  • 01/2025 Gemeinsamer Appell von 41 Organisationen an die neue EU-Kommission, Ressort für sauberen, gerechten und wettbewerbsfähigen Übergang und Ressort für Energie
  • 11/2025: Einladung zur EU-Kommission, Ressort Energie nach Luxemburg im Jänner 2026
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