Finnland

Finnland, AKW, Pro-Atom, Atom-Ausbau, Olkiluoto, Loviisa, Onkalo, Endlager, Tiefenlager, Hochrisikoreaktor

4 aktive Reaktoren an 2 Standorten
1 neuer Reaktor kurz von Inbetriebnahme (Testphase) - der erste AKW-Neubau in der EU seit den 1980er-Jahren, 1 weiterer Reaktor ist geplant
Stromerzeugung 2016 aus
   » 47% Erneuerbare Energie (24% Wasser, 18% Biomasse, 5% Wind)
   » 36% Atomenergie
   » 17% Fossile Brennstoffe (11% Kohle, 6% Gas)
68,6 TWh Eigenproduktion, 21,5 TWh Importe (>80% aus Schweden), 5,1 TWh Exporte (fast 100% nach Estland)

Geschichte

1977 geht das erste AKW in Finnland in Betrieb, 1978 und 1980 folgen drei weitere Reaktoren.
1993 wird der weitere Atomausbau durch Proteste vorerst gestoppt.
2002 beschließt das Parlament den Neubau eines Reaktors in Olkiluoto. Es ist der erste AKW-Neubau in der EU seit den 1980er-Jahren. Der neue Reaktor ist wegen Sicherheitsbedenken, Bauverzögerungen und Finanzierungsproblemen sehr umstritten. Statt wie geplant 2009 soll das Projekt nun 2019 in Betrieb gehen.

Lagerung von Atommüll
Finnland ist sehr aktiv in der Forschung nach einer sicheren Endlagerung von Atommüll. Im Moment wird an einem Tiefenlager am AKW-Standort Olkiluoto gebaut. Es handelt sich um einen Untergrundtunnel, der fast 500 Meter in den Felsboden gegraben wird. „Onkalo“ soll Atommüll für 100.000 Jahre sicher lagern, eine Zeitspanne die unvorstellbar ist - die ältesten bekannten menschlichen Bauten sind heute 5.000 Jahre alt.

Ausstieg vs. Ausbau

Finnland will - mit dem Argument der günstigen und umweltfreundlichen Energiegewinnung - die Atomenergie ausbauen. Seit 2005 wird an einem Reaktor in Olkiluoto gebaut. Die Inbetriebnahme wurde - nach mittlerweile über 10 Jahren Verzögerung wegen Pfusch am Bau, Finanzierungsproblemen und Rechtsstreitigkeiten - im November 2017 erneut verschoben. Geplante Inbetriebnahme ist aktuell Mai 2019.
Auch an einem neuen Standort Hanhikivi ist ein weiterer Reaktor geplant, der Bau soll 2019 beginnen. Mit dem Ausbau der Atomenergie will Finnland Kohlekraftwerke ersetzen. Geplant ist außerdem in Zukunft Uran in Finnland abzubauen.

Störfälle und Katastrophen

Die finnischen AKW gelten als sehr zuverlässig. Es gibt wenig (bekannte) Störfälle. Dennoch sind alle Reaktoren älter als 30 Jahre und damit Hochrisikoreaktoren. Ihre Bauweise entspricht nicht den aktuellen Sicherheitsstandards.

Probleme

Der in Bau befindliche Reaktor Olkiluoto ist ein "EPR"-Druckwasserreaktor. Atomexperten halten EPR-Reaktoren für unsicher. Die Baukosten sind wegen laufenden Verzögerungen - mittlerweile über 10 Jahre - schon auf das 3-fache (9 Mrd. Euro) gestiegen. Mittlerweile ist die Finanzierung nur mehr mit einer staatlichen Fixpreisgarantie möglich.
Die vier laufenden Reaktoren sind älter als 30 Jahre und damit Hochrisikoreaktoren.
Finnland begründet den Ausbau der Atomenergie mit
   » dem Argument der günstigen und umweltfreundlichen Energiegewinnung
   » von Energieimporten, v.a. Kohle aus Russland, unabhängiger zu werden. Allerdings werden die AKW-Neubauten zum Großteil mit Russlands Hilfe finanziert. Auch zu einem Zeitpunkt wo die meisten Länder die Beziehungen mit Russland einfrieren.
Auch wenn Finnland in der Suche nach einem sicheren Endlager sehr aktiv ist - es gibt kein sicheres Endlager.

Mehr Infos und Quellenangabe:
Allg. Infos - Atomindustrie, Englisch (World Nuclear Association)
Allg. Infos - Atomindustrie, Englisch (IEA)
Allg. Infos - kritisch, Deutsch (Global2000)
AKW-Neubau Olkiluoto, Englisch (Carbonbrief)
AKW-Neubau Olkiluoto, Englisch (Reuters)
Energiestatistik, Englisch (IEA)
Foto: AKW Olkiluoto, © Kallerna

Informationsstand 12/2017

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