Großbritannien, UK, England, AKW, Pro-Atom, Atom-Ausbau, Hinkley Point, Klage, Sellafield, Hochrisikoreaktor
- 9 aktive Reaktoren an 4 Standorten
- betreibt Wiederaufbereitungsanlagen
- derzeit 2 Reaktoren in Bau (Hinkley Point C)
- Stromerzeugung 2024 aus
- 32% Fossile Brennstoffe (30,5% Gas, 1% Kohle, 0,5% Öl)
- 53% Erneuerbare Energie (29% Wind, 12% Biomasse, 4% Abfall, 5% Solar, 3% Wasser)
- 14% Atomenergie, 1% andere
- 285,3 TWh Eigenproduktion, 43,7 TWh Importe, 10,3 TWh Exporte
1Geschichte
Großbritannien beschäftigt sich nach dem 2. Weltkrieg zu Beginn hauptsächlich mit der Erforschung von Atomwaffen. 1953 verkündet die Regierung den Start eines "zivilen Atomprogramms",
1956 geht das
erste AKW Großbritanniens in Betrieb. Bis 1971 gehen insgesamt 26 AKWs in Betrieb, sie sind jedoch mittlerweile alle wieder stillgelegt. Zwischen 1976 und 1989 werden 14 weitere Reaktoren fertiggestellt, 8 davon sind heute noch in Betrieb. Das "jüngste" AKW geht 1995 in Betrieb.
2Proteste gibt es in Großbritannien vor allem gegen die
Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield. Radioaktive Abwässer werden dort ins Meer geleitet, radioaktive Stoffe können in der Umgebung und der Bevölkerung (Kinderzähne) nachgewiesen werden.
Aktuell sind die Proteste gegen den
Ausbau in Hinkley Point und das geplante Sizewell C sehr stark.
3Die Zustimmung zur Atomenergie in der Bevölkerung ist in den letzten Jahren gestiegen.
4Ausstieg vs. Ausbau
Großbritannien will den Atomstromanteil bis 2050 auf 25% erhöhen (2024: 14%) und plant einen
Ausbau der Atomenergie. Zwei Reaktoren -
Hinkley Point C1+2 - sind
seit 2018 bzw. 2019 in Bau, aktuell wird die Inbetriebnahme um 2031 vorausgesagt. Ursprüngliche Kostenschätzung: 20 Milliarden Euro, letzte Schätzungen 2024 laut BBC 55 Milliarden Euro.
5Für den Bau von 2 weiteren Reaktoren in Sizewell C gibt es im Juli 2025 grünes Licht mit der Finanzierungszusage des Staates, die Hälfte der Kosten werden über Steuern und Energierechnungen finanziert.
6Im April 2026 wird ein Deal mit Rolls Royce abgeschlossen, um die ersten britischen SMRs am Standort Wylfa zu bauen, ein genauer Zeitplan ist bisher nicht bekannt.
7Endlager
Auch in Großbritannien existiert noch kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll, er wird aktuell in Zwischenlagern vor allem am Standort Sellafield oberirdisch gelagert und nach einem möglichen Standort für ein Tiefenlager gesucht. Zuständig ist in Großbritannien die Entsorgungsorganisation "Nuclear Waste Services", bisher wurden drei Gebiete als mögliche Standorte für ein Tiefenlager identifiziert, aktuell werden sie genauer auf ihre Eignung untersucht.
8Die Entsorgungsorganisation "Nuclear Waste Services" selbst schätzt, dass ein Tiefenlager für hochradioaktiven Atommüll ab 2075 zur Verfügung stehen wird.
9Störfälle und Katastrophen
1957 kommt es im AKW Windscale (heute Sellafield) zu einem Brand. Große Mengen Radioaktivität werden freigesetzt, die sich über Großbritannien und über das europäische Festland ausbreiten.
Laufend: Durch die Wiederaufbereitungsanlage in
Sellafield kommt es laufend zur Verseuchung der Meere.
2005 etwa wird ein Leck entdeckt, durch das etwa 83.000 Liter radioaktive Flüssigkeit über Monate hinweg unbemerkt entweichen können. Die Öffentlichkeit wird erst Wochen später informiert.
Immer wieder werden Arbeiter_innen an verschiedenen Standorten einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt und gibt es andere kleine Zwischenfälle.
10 Probleme
- 8 von 9 aktiven AKWs in Großbritannien sind älter als 30 Jahre) (Durchschnittsalter 2024: 37,1 Jahre). Damit gelten sie als Hochrisikoreaktoren.
- Die Alterung der Reaktoren ist auch in Großbritannien eine Herausforderung. Wegen Problemen mit dem regulierenden Grafit im Reaktorkern und anderen Alterserscheinungen wurden 6 Reaktoren frühzeitig außer Betrieb genommen: Hinkley Point B 1+2 und Hunterston B 1+2 2022 statt 2023, Dungeness B 1+2 2021 statt 2028.
- Gleichzeitig gibt es riskante Laufzeitverlängerungen bei 8 Reaktoren derselben Bauart aus den 1980ern. Die Laufzeitverlängerung erfordert keine formelle Genehmigung, Betreiber EDF muss lediglich aktualisierte Sicherheitsnachweise vorlegen. 11
- Die Wiederaufbereitungsanlage Sellafield leitet selbst im Normalbetrieb radioaktive Abwässer ins Meer. Sie ist unsicher, veraltet und kämpft mit vielen Problemen. 2023 etwa wird Sellafield Ziel eines Cyberangriffs, 2022/23 wird ein Leck entdeckt, durch das wahrscheinlich bereits seit 2018 radioaktive Flüssigkeit austritt und nicht repariert werden kann. Aktuell wird Sellafield saniert, die Kosten dafür betrugen 2024 bereits 136 Milliarden Pfund (ca. 157 Mrd. Euro), die Sanierung wird voraussichtlich noch bis mindestens 2050 dauern. 12
- Zwei Reaktoren am Standort Hinkley Point sind in Bau - höchst umstritten wegen massiven Überschreitungen der geplanten Bauzeit und Baukosten
- Mit dem Bau von Reaktor 1 wurde 2011 begonnen, obwohl die Zulassungsphase noch nicht abgeschlossen war
- Der Bau ist nur durch Finanzierung aus Frankreich und China und mit enormer Förderung vom britischen Staat möglich, etwa garantierte der Staat den französischen Investoren von EDF einen Strom-Fixpreis für die ersten 35 Jahre nach Inbetriebnahme. Die Europäische Kommission hat das genehmigt, mehrere Staaten, darunter auch Österreich, haben dagegen jedoch Klage gegen die staatlichen Beihilfen für Hinkley Point C eingereicht, die Klage wurde vom Europäische Gerichtshof (EuGH) im September 2020 mit Verweis auf den EURATOM-Vertrag abgewiesen.13
- Großbritannien besitzt Atomwaffen.
- Großbritannien will den Atomstromanteil bis 2050 auf 25% ausbauen (2024: 14%), steht dabei jedoch vor denselben Herausforderungen wie beinahe alle Atomstaaten: es fehlen die Fachkräfte und die Versorgung mit Uran, das u.a. von Russland dominiert wird. 14
Mehr Infos und Quellenangabe:1 Länderinfos IEA, aufgerufen 05/262 Entwicklung Nuklearindustrie World-Nuclear.org, aufgerufen 05/26,
Länderinfos World-Nuclear.org, aufgerufen 05/263 Anti-Atom-Bewegung in GB, Wikipedia.com, aufgerufen 05/264 https://yougov.com/en-gb/articles/54612-how-do-britons-feel-about-nuclear-energy5 Hinkley C Preis wieder erhöht, Fertigstellung weiter verzögert, BBC.com 01/24, aufgerufen 05/266 Regierung macht Deal mit privaten Investoren für Sizewell C, TheGuardian.com 07/25, aufgerufen 05/267 Herausforderungen Nuklearzeitalter-Restart, CNBC.com 12/25, aufgerufen 05/26,
Grünes Licht für SMRs Wylfa, BBC.com 04/26, aufgerufen 05/268 Schwerpunktgebiete für Tiefenlager, Nuklearforum.ch 02/25, aufgerufen 05/269 Zukunft Tiefenlager, NuclearWasteServices.uk 07/25, aufgerufen 05/2610 Störfälle Großbritannien, Laka.org, aufgerufen 05/26,
Störfälle Sellafield, www.gov.uk, aufgerufen 05/2611 https://World Nuclear Industry Statur Report 2024, S 214f, aufgerufen 05/2612 Sellafield: Radioaktives Leck bis 2050, BBC.com 06/25, aufgerufen 05/26,
Chronik Lecks Sellafield, TheGuardian.com, aufgerufen 05/2613 Österreichs Klage abgewiesen, ORF.at, 09/20, aufgerufen 05/26,
Hinkley Point teuerste AKW der Welt, TheGuardian.com 12/17, aufgerufen 05/2614 Herausforderungen Nuklearzeitalter-Restart, CNBC.com 12/25, aufgerufen 05/26World Nuclear Industry Status Report 2025, Großbritannien ab Seite 182Foto: AKW Hinkley Point, ©
Richard BakerInformationsstand 05/2026