Bulgarien, AKW, Pro-Atom, Atom-Ausbau, Kozloduy, Belene, Fossile, Kohle, Hochrisikoreaktor
- 2 aktive Reaktoren am AKW-Standort Kosloduj
- 2 neue Reaktoren und SMRs geplant
- Stromerzeugung 2023 aus
- 34,5% Fossile Brennstoffe (29% Kohle, 5% Gas, 0,5% Öl)
- 40% Atomenergie
- 25,5% Erneuerbare Energie (8% Wasser, 4% Wind, 9% Solar, 4,5% Biomasse)
- 40,3 TWh Eigenproduktion, 7,8 TWh Exporte, 4,4 TWh Importe 1
Geschichte
1974 geht das
erste bulgarische AKW in Kosloduj in Betrieb. Bis 1981 werden am Standort Kosloduj drei weitere Reaktoren, 1988 und 1993 je ein weiterer in Betrieb genommen.
Seit 1980 wird außerdem an einem zweiten Standort -
Belene - gebaut,
wegen finanzieller Probleme allerdings 1991
abgebrochen. 2008 wird der Bau erneut aufgenommen, 2012 wird das Bauprojekt wegen von Finanzierungsproblemen gestoppt und 2023 endgültig eingestellt. Die Ukraine will Bauteile davon für eine Reaktorbaustelle kaufen, der Deal dann aber 2025 von Bulgarien abgesagt, denn es gibt plötzlich wieder Ideen für eine mögliche Wiederbelebung des AKW Belene - es könnten gemeinsam mit den USA KI-Rechenzentren, betrieben mit Atomstrom aus Belene, gebaut werden.
Im Zuge Bulgariens
EU-Beitritts 2007 werden
2002 bzw. 2006 jeweils zwei Reaktoren in Kosloduj stillgelegt, da es
unökonomisch bzw. technisch nicht möglich gewesen wäre, sie an die
Sicherheitsbestimmungen der EU anzupassen.
Die
Laufzeiten von Reaktor 5+6 (Inbetriebnahme 1987 bzw. 1991) werden durch Sanierungsmaßnahmen auf 60 statt ursprünglich 30 Jahre verlängert, 2024 auf
unbegrenzte Zeit.
Auch Bulgarien ist von
russischem Kernbrennstoff abhängig und steigt nun auf Brennstoff von Westinghouse (USA) und Framatome (FR) um, das soll 2027 abgeschlossen sein.
Auch beim
Gas war Bulgarien von russischen Gaslieferungen abhängig und bezieht seit 2023 Gas aus Griechenland und der Türkei.
Ausstieg vs. Ausbau
Trotz großen Finanzierungsschwierigkeiten setzt Bulgarien auf einen
Ausbau der Atomenergie.
Bulgariens Energiestrategie 2023 bis 2053 plant einen Ausbau von 7 GW bei Solarstrom, 2 GW bei Wind (jeweils fast Verdoppelung) und 4 GW bei Atomstrom.
Am Standort Kosloduj sollen zwei weitere Reaktoren gebaut werden, auch SMRs an bisherigen Standorten von Kohlekraftwerken sind geplant.
2Atommüll
Atommüll wird am Standort Kosloduj gelagert.
Bis 2022 wurden abgebrannte Brennstäbe aus Bulgarien nach
Russland zur Wiederaufbereitung geschickt. 2026 wird ein
oberflächennahes Lager für niedrig- und mittelradioaktiver Müll eröffnet.
Voruntersuchungen für ein Endlager für hochradioaktiven Müll und abgebrannte Brennstäbe werden durchgeführt. Bulgarien muss bis 2050 ein Endlager haben, um neue AKWs bauen zu dürfen.
3Störfälle und Katastrophen
2006: Von 60 Steuerelementen bleiben 22 beim Herunterfahren hängen, es hätte zur Kernschmelze kommen können.
42012: Betriebsausfall im elektronischen Steuersystem des Turbogenerators. Als der Generator manuell gesteuert werden soll, kommt es zur automatischen Notabschaltung.
5Probleme
- Laufzeitverlängerungen erhöhen das Risiko enorm.
- Der mögliche zweite Standort Belene liegt in einem hoch erdbebengefährdeten Gebiet. 2009 gab es in der Region um das geplante Atomkraftwerk Belene ein Erdbeben mit 5,3 auf der Richterskala.
Mehr Infos und Quellenangabe:» Schweigen über Tschernobyl und Atomzukunft Bulgarien | HeinrichBöllStiftung.de 03/261 Stromproduktion | IEA.org, aufger. 07/262 World Nuclear Industry Status Report 2025, S 521-527 | worldnuclearreport.org, aufgerufen 07/26,
Länderinfos Nuklearindustrie | WorldNuclearAssociation.org, aufger. 07/263 Bis 2050 Endlager bauen | Radio Bulgarien 08/24,
Länderinfos Nuklearindustrie | WorldNuclearAssociation.org, aufger. 07/264 Vorfall Brennstäbe 2006 | Laka.org, aufger. 07/265 2012 Panne Kosloduj | FinanzNachrichten.de 05/12Foto: AKW Kozloduy, ©
selfInformationsstand 07/2026