Vielleicht im Jahr 2036. Die polnische Regierung hat zugegeben, dass der erste Kernkraftwerksblock später fertig sein wird
16.03.25,
Quelle: Ekonomicky denik, David Tramba, Übersetzung: OIZP
Vielleicht im Jahr 2036. Die polnische Regierung hat zugegeben, dass der erste Kernkraftwerksblock später fertig sein wird
Der erste Strom aus dem ersten Block eines Atomkraftwerks in Nordpolen
wird später produziert werden. Statt wie bisher angekündigt 2033 soll er
nun erst im Jahre 2036 in Betrieb gehen, sagte Pawel Gajda, Direktor der
Abteilung für Kernenergie im polnischen Industrieministerium. Die
Nachrichten-Website Bankier.pl zitierte Gajda weiter mit den Worten, die
Auswahl eines strategischen Partners für den Bau des zweiten großen
Kernkraftwerks solle zwischen den Jahren 2026 und 2027 erfolgen.
Das erste Kernkraftwerk soll in der Ortschaft Lubiatowo-Kopalino in der
Nähe der Ostsee gebaut werden; Technologielieferant wird gemäß der zuvor
geschlossenen Vereinbarung das US-amerikanische Unternehmen Westinghouse
sein. Die Bauarbeiten, die von der Firma Bechtel durchgeführt werden,
werden voraussichtlich frühestens im Jahre 2028 beginnen, wobei drei
Blöcke mit AP1000-Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 1.200
Megawatt entstehen werden. Investor ist das staatliche Unternehmen
Polskie Elektrownie Jadrowe (PEJ), das 30 Prozent des für den Bau der
Blöcke benötigten Kapitals selbst bereitstellen wird.
Wer wird das restliche Geld bereitstellen?
"Die Hauptfinanzierungsquelle werden Exportkreditagenturen sein. Wir
haben eine Erklärung der (US-)Exim Bank, dass sie 40 Prozent
bereitstellen wird. Derzeit schließen wir die Verhandlungen über die
restlichen 30 Prozent ab", sagte Gajda. Er fügte hinzu, dass die
Verhandlungen über einen zweiseitigen Differenzvertrag (CfD) für den
Kauf von Strom aus dem ersten Kernkraftwerk derzeit mit der Europäischen
Kommission erörtert werden.
Wenn alles gut geht, werden die drei Reaktoren an der Nordküste zwischen
den Jahren 2036 und 2038 in Betrieb genommen. Danach wollen die Polen
mit dem Bau eines weiteren großen Kernkraftwerks fortsetzen. Innerhalb
von zwei Jahren dürfte klar sein, wer der strategische Partner sein
wird. Es könnte wieder Westinghouse sein, aber auch die französische
Firma EDF oder die koreanische KHNP sind ernsthaft an einer
Zusammenarbeit interessiert.
Laut der Website enerad.pl nannte Pawel Gajda auch einen
voraussichtlichen Zeitplan für den Bau des zweiten Kernkraftwerks. Die
Erteilung der Baugenehmigung ist im Jahr 2031 realistisch, und ein Jahr
später soll mit dem Bau des ersten Blocks begonnen werden. Er könnte im
Jahre 2040 fertig gestellt werden, die nächsten beiden Blöcke folgen im
Abstand von einem Jahr.
Was den Standort betrifft, so wird am häufigsten Belchatów genannt, wo
sich heute das größte Kohlekraftwerk Polens befindet. Eine weitere
Möglichkeit ist Konin in Zentralpolen, wo in den letzten Jahren ein
Konsortium aus PGE und ZE PAK koreanische APR1400-Reaktoren bauen
wollte. Dieses Projekt liegt derzeit "auf Eis", vor allem wegen der
fehlenden Unterstützung durch die polnische Regierung.
Die Polska Grupa Energetyczna (PGE), mit 61 Prozent der Anteile Polens
größter staatlicher Energieversorger, hat bereits Interesse bekundet,
die Rolle des Investors für das Kernkraftwerk Belchatów zu übernehmen:
"Wir setzen unsere Analyse fort und werden der Regierung empfehlen, den
Standort Belchatów beim Bau des nächsten Kernkraftwerks sehr ernsthaft
in Betracht zu ziehen", sagte PGE-Chef Dariusz Marzec Ende Januar.
Die bereits angekündigten Pläne zum Bau kleinerer modularer Reaktoren,
die von den Industriekonzernen Orlen und Synthos unterstützt werden,
haben sich ebenfalls verzögert. Das Gemeinschaftsunternehmen Orlen
Synthos Green Energy will bis zum Jahr 2035 mindestens zwei
300-Megawatt-Reaktoren auf der Grundlage der Technologie von GE Hitachi
bauen. Zur Erinnerung: Noch vor zwei Jahren kündigten Orlen und Synthos
optimistisch an, den ersten modularen Reaktor Polens im Jahr 2029 in
Betrieb zu nehmen.