Zwentendorf

Ende der 1960er-Jahre entstanden in Österreich erste Pläne für das AKW in Zwentendorf, 1969 wurde unter ÖVP-Regierung der Bau beschlossen. 1972 schließlich erfolgte der Baubeginn, geplant waren mehrere weitere Standorte in Österreich (u.a. St. Pantaleon/NÖ).

Ab 1970 gab es österreichweit Proteste gegen das AKW Zwentendorf, die bis 1978 immer stärker wurden. Eine einzigartige Protestbewegung – quer durch das ganze Land, durch alle Bevölkerungsschichten, Berufs- und Altersgruppen – entstand, auch Prominente und Musiker_innen engagierten sich. Viele Tausende Menschen kamen bei den verschiedensten Protestaktionen und Demonstrationen jeweils zusammen.

Unter dem großen Druck der Zivilgesellschaft sah sich die SPÖ-Regierung gezwungen eine Volksabstimmung auszurufen, festgelegt wurde der 5. November 1978. Das Ergebnis: 49,53% Ja-, 50,47% Nein-Stimmen zur Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf. Ca. 30.000 Stimmen entschieden über die (Energie-)Zukunft Österreichs.

Seitdem hat sich die Ablehnung der Atomkraft in Österreich zu einer gut verfestigten Mehrheit ausgewachsen – gesellschafts- und parteiübergreifend – und wurde sogar in einem Atomsperrgesetz und 1999 in der österreichischen Bundesverfassung festgeschrieben.

Rund um die Zwentendorf-Volksabstimmung am 5. November 1978 entstanden viele Initiativen, die in den Jahren danach eine vielseitige österreichische Umweltbewegung etablieren konnten und so auch impulsgebend für andere europäische Länder Wirkung zeigten. Auch der Verein atomstopp_atomkraftfrei leben! hat seine Wurzeln in der Anti-Zwentendorf-Bewegung.

Bis 1985: Zwentendorf im Stand-by

Nach der Volksabstimmung und dem Aus für Zwentendorf wurde das Kernkraftwerk mehrere Jahre betriebsbereit gehalten und der eine oder andere “Wiederbelebungsversuche” gestartet. 1980 etwa fand ein Pro-Zwentendorf-Volksbegehren statt, das sogar über 420.000 Unterschriften erreichte, jedoch von einem relevanten Meinungsumschwung weit entfernt blieb.

1985 – ein Jahr vor der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl – wurde Zwentendorf endgültig dichtgemacht und Einzelteile nach und nach an andere AKW in Europa weiterverkauft. Der Super-GAU in Tschernobyl ein Jahr später rüttelte auch die letzten Atombefürworter_innen Österreichs wach und Tendenzen, das generelle Nein zur Atomkraft in Österreich nochmal in Frage zu stellen und umzudrehen, sind seither obsolet.

Heute ist Zwentendorf Schulungsreaktor, bietet Besichtigungen an und hat seit 2009 eine große Photovoltaik-Anlage auf der Fassade – das einzige AKW weltweit, das Ökostrom erzeugt.


Einblicke in die Ausstellung "Zwentendorf.40 - Widerstand für die Zukunft"

2018: 40 Jahre Volksabstimmung Zwentendorf

zum 40. Jahrestag der Zwentendorf-Volksabstimmung hat sich atomstopp_atomkraftfrei leben! auf Spurensuche begeben und die Ausstellung "Zwentendorf.40 - Widerstand für die Zukunft" gestaltet. Filmemacher Markus Kaiser-Mühlecker hat im Auftrag von atomstopp zu diesem Anlass den Dokumentarfilm "Atomlos durch die Macht" produziert, der als Video on Demand zur Verfügung steht.

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Fotos: Fritz Witzany

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